Geschichte
130 Jahre Van Dooren: Von der Kutsche zur Kettensteuerung (1895–2025 und darüber hinaus)
1895. Das Jahr von Popovs Radiotelegrafie, dem ersten Film der Brüder Lumière, Röntgens Entdeckung der Röntgenstrahlen – und das Jahr, in dem Dirk van Dooren im Alter von 39 Jahren seine erste Rechnung verschickt: 2,50 Gulden an die Gemeinde Hillegom für den Transport des Bürgermeisters mit der Kutsche zu einem Brand in der Veenderij (Weerlanerpolder). Dieses Dokument gilt als offizieller Start unseres Familienunternehmens, das am 7. September 2020 sein 125-jähriges Jubiläum feierte.
Wie alles begann
Dirk (geb. am 25. Oktober 1856 in Dordrecht) lebte lange Zeit in Hoekse Waard (u. a. in Mijnsheerenland und Puttershoek). 1881 heiratete er Elizabeth Martina Muller; sie bekamen fünf Kinder. Als persönlicher Kutscher von Bürgermeister M. W. de Kat zog Dirk 1882 mit nach Hillegom. Nach dreizehn Jahren verabschiedete sich De Kat und Dirk beschloss, seine Zukunft selbst in die Hand zu nehmen: vom Kutscher zum eigenen Stallhalter – Pflege von Pferden und Unterstellung/Wartung von Kutschen für wohlhabende Einwohner von Hillegom.
Der Aufstieg der Blumenzwiebelkultur
Um 1900 tritt Jurrian (Jurriaan) Gerrit van Dooren in die Fußstapfen seines Vaters. Hillegom entwickelt sich zum Zentrum der Blumenzwiebelkultur; die Dünengebiete um De Zanderij werden zu erstklassigem Zwiebelanbaugebiet erschlossen. Mit dem Wachstum explodieren auch die Transportbewegungen: von den Feldern zu den Gärtnereien, von den Gärtnern zu den Auktionen und Handelshäusern. Zu dieser Zeit haben Kunden oft ihre eigene religiöse Ausrichtung und Beziehungen werden innerhalb dieser Säulen aufgebaut. Neben Trauer und Hochzeit wird der Transport von Blumenzwiebeln schnell zum wichtigsten Standbein.
Vom Pferdewagen zum „Monster-Transportmittel“
Kutschen eignen sich schlecht für Körbe, Kisten und Jutesäcke voller Blumenzwiebeln; deshalb kommt das Pferd mit einem flachen Wagen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hält das Automobil Einzug. Nicht alle sind begeistert – die Kleine Kroniek (1916) nennt es „das Monster-Transportmittel”. Zwischen 1906 und 1917 werden in Hillegom 44 Kennzeichen ausgegeben (H = Südholland). Regieren heißt vorausschauen: Jurrian Gerrit und Dirk bauen in der Molenstraat eine Automobilgarage (96 m², 3,5 m hoch) aus Kalksandstein und mit Betonfundament für das immer schwerer werdende Material.
Kluge Investitionen und Wachstum
Jurrian Gerrit entwickelt sich zum Unternehmer und Investor und kauft Immobilien an der Hoofdstraat (1919) sowie Arbeiterwohnungen in der Molenstraat und Molenbuurt (Gesamtbetrag: 6.000 Gulden). Nach dem Ersten Weltkrieg beschleunigt sich die Motorisierung: 1930 fahren bereits 30.000 Kraftfahrzeuge in den Niederlanden, wobei Ford der größte Anbieter ist. Der Straßenverkehr wächst rasant.
Krankenwagen und Taxi
Ende der 1920er Jahre beginnt Van Dooren auch mit dem Krankentransport. Die Gemeinden mussten selbst für den Transport von Kranken und Verletzten sorgen; Hillegom entscheidet sich für eine Zusammenarbeit mit J.G. van Dooren. Bereits 1927 folgt eine Erstattung für Krankentransporte mit Luxuswagen; der erste Krankenwagen kommt 1929.
VOF, Kriegsjahre und Neustart
Am 1. April 1932 wird die Firma J.G. van Dooren (VOF) gegründet – „Autovermietung und Einrichtung im weitesten Sinne“ – mit Jurriaan Gerrit und seinem Sohn Dirk als Teilhaber, Büro Molenstraat, Hillegom. Nach dem Tod von Jurriaan (1933) wird das Unternehmen 1934 als Taxi- und Speditionsunternehmen J.G. van Dooren unter der Leitung von Dirk weitergeführt. Während des Zweiten Weltkriegs werden viele Fahrzeuge requiriert; nicht requirierte Fahrzeuge fahren aufgrund der Ölkrise mit Holzgas.
Strategisch in Richtung Nordholland
Am 23. Mai 1949 folgt die Übernahme von Gebr. Van Trigt (Breezand): eine Linienverbindung Hillegom ↔ Alkmaar ↔ Anna Paulowna ↔ Koegras ↔ Texel. Das passt zum Trend, dass sich Züchter in den Norden der Provinz Nordholland begeben. 1951 kommt W. Meijer (Breezand) hinzu. Zwischen 1952 und 1953 wird in Hillegom kräftig ausgebaut: neues Büro über der Garage, Abriss alter Schuppen, Bau eines neuen Schuppens und einer Werkstatt; separater Raum für Krankenwagen, Taxis und Wartung sowie eine Hinterausfahrt über die Hoofdstraat 128.
Hilfe bei der Flutkatastrophe
Während der Flutkatastrophe (1953) organisiert Dirk van Dooren Hilfstransporte mit gesammelten Gütern – Hilfsbereitschaft liegt offensichtlich in der DNA des Unternehmens und der Familie (Feuerwehrtradition).
Fokus auf Kerngeschäft
Zum 1. März 1986 stellt Van Dooren den Taxi- und Krankentransport ein, um sich ganz auf Blumenzwiebeln, Pflanzen und Baumschulprodukte zu konzentrieren. Die Mitarbeiter wechseln zu A Tax de Vries. Die vierte Generation (Jur, Dick, Ron) übernimmt die Leitung; 1977 verstirbt Vater Dirk (3. Generation). Nach dem Wachstum wird die Molenstraat zu eng; 1988 folgt ein Neubau an der Voltstraat.
Generation 5, Greenlog und Neubau
Nach dem Tod von Ron (2003) übernehmen Dick (1973), Alex (1976) und Jurgen (1978) die Leitung. Die Marktdynamik verändert sich (Auktionen verschwinden), Sendungen werden kleiner. Zusammen mit den Kollegen Wesseling und Bakker & Schilder wird Greenlog gegründet: Bündeln, Kombinieren, Gruppieren. 2008 wird das Lager (5.000 m²) in Achter de Watertoren eröffnet – 10 Docks, hochwertiges Crossdock, Verpackungsmanagement für ~50 Exporteure, eigene Werkstatt mit APK-Straße und Tachographen-Kalibrierung.
Strategische Übernahmen & Internationalisierung
Übernahmen stärken unsere Position in dem Bereich, in dem wir gut sind: Blumenzwiebellogistik.
- 2005 Rademaker (Zeeland-Inseln/West-Brabant/Zeeland)
- 2007 Kunden Wesseling (NH) und Hollander (Breezand)
- 2013 Blumenzwiebelaktivitäten AB Texel und J. Bakker & Zn (Egmond)
- 2018 Urselmann Transport (Bergen, Limburg) → zusätzlicher Standort
- 2014 Übernahme von Entege Nederland → Gründung von Van Dooren Forwarding B.V. (internationaler klimatisierter Transport, u. a. DE/CH) und ganzjähriges eigenes Geschäft
Digitalisierung und Fachkompetenz
Schnelles Wachstum erfordert eine solide IT-Infrastruktur: TMS, Van Dooren-Kunden-App, Fahrer-App, Bordcomputer/Track & Trace und Verbindungen zu Charterunternehmen. Fachkompetenz bleibt die Grundlage: viele Jubilare (12,5/25/40+ Jahre) und starke regionale Bindung (Bollenstreek, Kop van NH, Noord Limburg).
Beitrag zum Sektor
Van Dooren ist seit 1947 beim Blumenkorso aktiv, sponsert Lilien- und Tulpenprüfungen sowie das Museum De Zwarte Tulp, ist anerkannter Ausbildungsbetrieb und in Gremien vertreten (u. a. TLN; Alex in regionalen und nationalen Ausschüssen).
Hoflieferant & Zukunft
Im Juni 2020 beschließt Seine Majestät der König, dass Van Dooren das königliche Wappen mit dem Zusatz „Bij Koninklijke Beschikking Hofleverancier” (Kammerlieferant durch königliche Verfügung) führen darf. Die Verleihung erfolgt am 5. September 2020 durch den Kommissar des Königs in Anwesenheit des Bürgermeisters von Hillegom.
Nach zwei Weltkriegen und COVID-19 bleibt der Kurs unverändert: nicht der Größte, aber der Beste – investieren, wo man gut ist, und mit Herzblut für die Branche. Auf zu 150 Jahren.